Die philosophische und wissenschaftstheoretische
Entwicklung im 20. und 21. Jahrhundert ist nachhaltig durch die Strömung
des logischen Empirismus geprägt worden, die in der Zwischenkriegszeit
von den Mitgliedern des Wiener Kreises ausgearbeitet wurde.
Ein führender Kopf und der Begründer des Wiener Kreises war der 1882 in Berlin geborene
Physiker und Philosoph Moritz Schlick, der von 1911-1921 an der
Universität Rostock,
und von 1922 bis zu seiner Ermordung im Jahre 1936 an der Universität Wien forschte und lehrte.
Seine innovativen Beiträge im Rahmen einer wissenschaftlichen Philosophie reichen
von der Naturphilosophie und Erkenntnislehre über die Sprachphilosophie bis hin zur Ethik
und Ästhetik in intensiver Wechselwirkung mit zeitgenössischen Denkern wie Wilhelm Wundt,
Ernst Mach, Josef Petzoldt, Albert Einstein, Henri Poincaré, Bertrand Russell und
Ludwig Wittgenstein.
Verbunden mit der internationalen Rekonstruktion und Neubewertung der deutschsprachigen
Philosophie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert ergab sich in den letzten beiden Jahrzehnten
ein differenzierteres Bild von Leben, Werk und Wirkung Schlicks auf der Basis der bisher nur
teilweise veröffentlichten Schriften inklusive seines umfangreichen Briefwechsels.
Die Ziele des zunächst auf 10 Jahre geplanten Forschungsprojektes sind die
Erstellung einer Kritischen Gesamtausgabe der veröffentlichten und nachgelassenen Schriften von Moritz
Schlick und die Erarbeitung seiner intellektuellen Biographie im philosophie- und
wissenschaftgeschichtlichen Kontext. Damit wird im Rahmen derzeitiger philosophischer Forschungen eine
bedeutende Lücke geschlossen und weitere einschlägige Studien ermöglicht.
Durch die geplante Edition wird einem breiten Kreis von Studierenden
und Wissenschaftlern sowie allen Interessierten das bislang nur
fragmentarisch vorhandene Gesamtwerk Schlicks erstmals wissenschaftlich
gesichert und kommentiert in deutscher Sprache zugänglich gemacht.
Dieses internationale Editionsprojekt wird im Rahmen einer
bilateralen Zusammenarbeit zwischen dem
Institut Wiener Kreis in Wien, dem Alexius-Meinong-Institut an der Universität Graz auf
österreichischer Seite und der Moritz-Schlick-Forschungsstelle am
Institut für Philosophie der Universität Rostock realisiert.
Der für diese Arbeit grundlegende Nachlaß Schlicks
(im Original aufbewahrt im Reichsarchiv von Noordholland in Haarlem) wurde archivmäßig
erfaßt und auf CD-ROM's gebracht, so daß er nunmehr den Forschungsgruppen
zugänglich ist. Mit dem Einverständnis der Nachlaßverwalter zur Veröffentlichung
und der Unterzeichnung eines Publikationsvertrages mit dem Springer
Verlag Wien/New York werden durch dieses Projekt erstmals sämtliche (veröffentlichte
und unveröffentlichte) Schriften inklusive Korrespondenz der Forschung und
Öffentlichkeit zugänglich gemacht sowie parallel dazu die erste intellektuelle Biographie
Schlicks realisiert.
Zusammen genommen liefern die kritische Gesamtausgabe
und die intellektuelle Biographie ein umfassendes und repräsentatives
Bild einer der Leitfiguren des Wiener Kreises und prägenden Philosophen
des 20. Jahrhunderts, womit eine detaillierte Auseinandersetzung und
zukünftige systematische Forschungsarbeit gewährleistet wird.
zurück zu "Edition"
|