Projekte

  • Langzeitvorhaben
    gemeinsam mit der Akademie der Wissenschaften in Hamburg
    »Moritz Schlick Gesamtausgabe. Nachlass und Korrespondenz«

    Laufzeit: 01/2011 bis 12/2030
    Fördersumme: 4.200.000,– Euro
    Leitung: Prof. Hans Jürgen Wendel, Dr. Olaf Engler und Dr. Mathias Iven
    Mitarbeiter: Jendrik Stelling M.A., Martin Lemke M.A., Michael Pohl M.A., Christian Hildebrandt, Nicole Kutzner
    Ehemalige Mitarbeiter: Tobias Breidenmoser M.A.

    Ziel des auf zwanzig Jahre angelegten Forschungsprojektes ist es, die bereits vorliegenden Bände mit den zu Lebzeiten veröffentlichte Schriften von Moritz Schlick durch eine Edition seines Nachlasses zu einer vollumfassenden Moritz Schlick Gesamtausgabe (MSGA) zu komplettieren. So wird der internationalen Forschung erstmals im Rahmen einer editionswissenschaftlich anspruchsvollen, textkritisch aufbereiteten und kommentierten Edition das vollständige Werk, d.h. vor allem jedoch der unveröffentlichte und deshalb bislang nur sehr partiell berücksichtigte umfangreiche Nachlass Schlicks in seiner ganzen Breite in einer geschlossenen Ausgabe systematisch zugänglich gemacht. Vervollständigt wird diese Ausgabe durch die Veröffentlichung der gesamten überlieferten, bisher ebenfalls unerschlossenen, für das Verständnis und die Entwicklung von Schlicks Denken grundlegenden wissenschaftlichen und privaten Korrespondenz.

    Das Projekt »Moritz Schlick Gesamtausgabe. Nachlass und Korrespondenz« wird als ein Langzeitvorhaben der Akademie der Wissenschaften in Hamburg in Kooperation mit der Moritz-Schlick-Forschungsstelle der Universität Rostock durchgeführt und im Rahmen des Akademienprogramms von der Bundesrepublik Deutschland und dem Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert.

  • DFG-Projekt
    »Transformationen und integratives Potential der
    wissenschaftlichen Philosophie«

    Laufzeit: 05/2011 bis 04/2013
    Fördersumme: 115.000,– Euro
    Leiter: Dr. Olaf Engler
    Mitarbeiter: Karsten Böger, Effi Sternkiker
    Ehemalige Mitarbeiter: Thomas Friedrich, Marcel Knie

    Die wissenschaftliche Philosophie war als eine aufklärerische Bewegung, die sich in weiten Kreisen der Wissenschaft und des kulturellen Lebens fest verankert hatte, seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus einer europäischen Perspektive entstanden. Zumindest bis in die 1920er Jahre hinein hatten sich die unterschiedlichen philosophischen Strömungen dieser Bewegung, wie der Neukantianismus, der Pragmatismus, der logische Empirismus, der Konventionalismus und die Phänomenologie, aber auch die verschiedenen Bereiche von Wissenschaft und Kultur noch nicht entzweit. Vielmehr arbeiteten sie von komplementären Standpunkten aus gemeinsam an den Herausforderungen, welche die tief greifenden Umstrukturierungen von Wissenssystemen infolge der Revolutionen in Wissenschaft und Philosophie an der Schwelle zum 20. Jahrhundert mit sich brachten.

    In ihrem Frühwerk haben Moritz Schlick (1882–1936) und Hans Reichenbach (1891–1853) zentrale Gedanken der wissenschaftlichen Philosophie aufgegriffen, stetig weiterentwickelt und schließlich in den Wiener Kreis bzw. die Berliner Gruppe eingebracht. Die großen Umwälzungen in der Physik und Psychologie sowie der Logik und Mathematik bedingten dabei weit reichende Transformationen der wissenschaftlichen Philosophie, die auch eine klare Abgrenzung der analytisch geprägten Wissenschaftstheorie von den historisch ausgerichteten Studien zur Wissenschaftsentwicklung nach sich zogen. Die damit einhergehende Spaltung zwischen analytischen und historischen Denkrichtungen lässt sich jedoch in Frage stellen.

    Im Anschluss an die Arbeiten zu den »Ursprüngen und der Entwicklungder Wissenschaftlichen Philosophie in den frühen Schriften Schlicks und Reichenbachs« sollen mit dem weiterführenden Projekt nun auch ihre späten Werke gemeinsam berücksichtigt werden. Unter Heranziehung nachgelassener Schriften sollen so erstmals die Transformationen der wissenschaftlichen Philosophie über die gesamte Schaffenszeit von Schlick und Reichenbach betrachtet, insbesondere aber auch das Potential der wissenschaftlichen Philosophie für die Integration analytischer und historischer Denkrichtungen offen gelegt und diskutiert werden, was aus heutiger Sicht wesentlich zur Überwindung ihrer Trennung beitragen kann.

  • Projekt der Fritz-Thyssen-Stiftung
    »Moritz Schlick und Friedrich Nietzsche. Zu den Quellen und der Entwicklung einer unbekannten Rezeptionsgeschichte«
    (abgeschlossen)

  • Laufzeit: 10/2009 bis 01/2011
    Fördersumme: 86.100,– Euro
    Leiter: Dr. Mathias Iven
    Mitarbeiter: Christian Kobsda

    Auf der Grundlage von bisher unveröffentlichten Dokumenten und Korrespondenzen aus Schlicks Nachlass wurde zum ersten Mal die Frage untersucht, in welchem Umfang sich Schlick Fragen der Kulturkritik und der Anthropologie und damit verbunden der jüngeren Geschichte der Philosophie zugewandt hat. Exemplarisch hierfür stehen Vorlesungen zu Leben und Werk von Friedrich Nietzsche. Hatte doch gerade Schlicks Begegnung mit Nietzsches Schriften eine geistige Auseinandersetzung zur Folge, wie sie in dieser Form und in diesem Umfang in Schlicks Denken einmalig ist.

    Hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass Schlicks auf den ersten Blick für viele Interpreten durchaus immer noch überraschende Beschäftigung mit Nietzsche, die auch seitens der Nietzsche-Forschung bisher keine weitergehende Beachtung gefunden hat, mit am Anfang der um die Wende zum 20. Jahrhundert einsetzenden universitären Nietzsche-Rezeption stand.

  • DFG-Projekt
    »Ursprünge und Entwicklung der wissenschaftlichen Philosophie
    in den frühen Schriften von Moritz Schlick und Hans Reichenbach«
    (abgeschlossen)

    Laufzeit: 10/2008 bis 04/2011
    Fördersumme: 105.000,– Euro
    Leiter: Dr. Olaf Engler
    Mitarbeiter: Björn Henning, Karsten Böger, Christian Kobsda

    Im Forschungsprojekt wurde sich zuvorderst die Aufgabe gestellt, die in den letzten Jahren in internationalem Maßstab erfolgte Rekonstruktion und Neubewertung von Leben, Werk und Wirkung von Moritz Schlick (1882–1936) und Hans Reichenbach (1891–1953) fortzuführen und um einen wesentlichen Aspekt zu bereichern. Unter besonderer Berücksichtigung nachgelassener Schriften sind erstmals Ursprünge und Entwicklung der wissenschaftlichen Philosophie in den frühen erkenntnistheoretischen und naturphilosophischen Arbeiten Schlicks und Reichenbachs gemeinsam untersucht worden.

    Das Forschungsvorhaben hat sich vor dem Hintergrund der derzeitigen Situation in der Philosophie als besonders aufschlussreich erwiesen. Diese ist gekennzeichnet durch die Unterscheidung zwischen einer historisch hermeneutisch bestimmten kontinental-europäischen und einer analytisch geprägten englischsprachigen Tradition. Seit den 1930er Jahren hat sich diese Trennung herausgebildet, an der sich die gegenwärtige Rezeption fast ausschließlich orientiert hat. Die analytische Philosophie bezieht sich hauptsächlich auf den Wiener Kreis des logischen Empirismus und die Berliner Gruppe der Internationalen Gesellschaft für empirische/wissenschaftliche Philosophie, zu deren einflussreichsten Vertretern Moritz Schlick und Hans Reichenbach zählten. In diesem Zusammenhang liegen bereits differenzierte Forschungsergebnisse zum Wiener Kreis und den unterschiedlichen Positionen seiner Mitglieder vor. Daneben erfolgte in einigen Arbeiten die Auseinandersetzung mit der Berliner Gruppe. Bisher ist jedoch die wichtige und komplexe Vorgeschichte der wissenschaftlichen Philosophie, die sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in kritischer Rückbesinnung auf die Kantische Lehre und unter Beachtung neuester teils revolutionärer Ergebnisse der empirischen Einzelwissenschaften als eine zentrale Richtung des Geisteslebens etabliert hatte, kaum berücksichtigt worden. Erst mit der Rekonstruktion der Ursprünge und der Entwicklung der wissenschaftlichen Philosophie und ihrer intensiven Auseinandersetzungen mit konkurrierenden Strömungen (z.B. Lebensphilosophie, Vitalismus, Intuitionismus) werden aber die gemeinsamen Wurzeln des Wiener Kreises und der Berliner Gruppe freigelegt und so ihre Positionen als Ausgangspunkte der analytischen Philosophie verständlich. 

    Im Einzelnen wurden neben der eigentlichen Erforschung der frühen erkenntnistheoretischen und naturphilosophischen Positionen Schlicks und Reichenbachs die dabei erzielten Resultate mit bereits vorliegenden Forschungsergebnissen zum Wiener Kreis und zur Berliner Gruppe in Beziehung gesetzt. In diesem Zusammenhang konnte der Einfluss der Frühwerke Schlicks und Reichenbachs auf die späteren Standpunkte des Wiener Kreises und der Berliner Gruppe diskutiert und so diese Positionen als Ausgangspunkte der analytischen Philosophie des 20. Jahrhunderts besser verstanden werden. Dabei wurde auch durch den Nachvollzug der vielfältigen Interaktionen zwischen wissenschaftlicher Philosophie und anderen Denkrichtungen die Situation der späteren Trennung zwischen kontinentaleuropäischer und analytischer Philosophie in ihren Vorbedingungen motiviert und erhellt.